Einmal Currywurst bitte! Und Ruhe bitte!
Warum externe Moderationen bei Veranstaltungen sinnvoll sind
Neulich durfte ich mal wieder einen Parlamentarischen Abend in Hannover moderieren. Ein Abend nach einem langen Plenartag für die Politiker, ein Abend nach einem langen Arbeitstag für Gäste aus Wirtschaft und Gesellschaft. Parlamentarische Abende finden dann ihre Erfüllung für den Gastgeber, wenn die Botschaften bei den Gästen ankommen.
Kommen sie aber auch wirklich an?
Ich habe festgestellt: oft eben nicht! Während vorne/oben der Gastgeber oder ein Minister sprechen, startet schon parallel das Netzwerken unter den Gästen. Zufällig oder mit Absicht stehen die Gäste eng beieinander oder sitzen nebeneinander und kommen ins Gespräch. Auch ein Sinn eines Parlamentarischen Abends: Personen kennenlernen und sich austauschen.
Was geht da schief?
Auch wenn beide Aspekte – Botschaften setzen und sich untereinander austauschen – für einen Gastgeber wie für die Gäste gleichermaßen wichtig sind, mache ich schon seit Jahren die Erfahrung, dass das nicht gut funktioniert. Es wird im Plenum getuschelt und geredet, während vorn/oben gleichzeitig geredet wird. Manchmal wird es dabei im Raum so laut, dass die Hauptprotagonisten, obwohl in ihren Rollen an diesem Abend bedeutsam, nicht zur Geltung kommen – schlimmer noch – Ihre Botschaften nicht herüberbringen können.
Woran liegt das?
Ich finde, das ist mangelnde Wertschätzung. Und ich finde, das ist frech. Da erhält man eine Einladung (verbunden mit hohen Kosten für den Gastgeber und zumeist kostenfrei für den Gast) und ist noch nicht mal in der Lage, dem Gastgeber zuzuhören? Kennen die Gäste den guten alten – aber aus meiner Sicht in vielen Dingen immer noch hochaktuellen – Knigge nicht mehr? Welche Erziehung haben die Gäste genossen? Wie kann es sein, dass Top-Kräfte aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft die Grundregeln der Kommunikation und das Anstands nicht beherrschen? Ich möchte da mal ein wenig milde urteilen und sage, es ist Gedankenlosigkeit. Es passt eben gerade. Genau diese Person wollte ich die ganze Zeit schon sprechen. Genau jetzt habe ich Zeit für den Austausch, nachher will ich vielleicht schnell nach Hause …
Was also machen?
Aus meiner Sicht müssen beide Seiten, Gastgeber und Gäste, ihre Rollen hinterfragen. Die Gastgeber von Parlamentarischen Abenden sollten sich fragen, wieviel man den Gästen abends wirklich noch zumuten kann. Kürzere Reden, deutlicher formulierte Botschaften, eine Ton- und Wortwahl, die mitreißt anstatt mitnimmt sowie der Fokus auf Wahrnehmung und Wirkung können da helfen. Selbstreflexion und Selbsterziehung unter den Gästen können ebenfalls helfen.
Und ein Moderator, der gleich zu Beginn wertschätzend, aber deutlich die Kommunikationsregeln des Abends mitteilt. Ich darf sagen, es hatte geholfen. Es war sogar so ruhig, dass der Minister am Ende es fast bedauerte, dass sich die Gäste wohl aufgrund der „Ansage“ nicht recht getraut hätten, zwischendurch mal Beifall zu klatschen.
Fazit: Gezielte Kommunikation mit Wahrnehmung und Wirkung findet nicht immer gleichzeitig statt.
